Ursachen einer metabolischen Azidose
Eine metabolische Azidose ist eine stoffwechselbedingte Übersäuerung des Blutes. Oft entsteht sie in Folge einer chronischen Nierenerkrankung – insbesondere im fortgeschrittenen Stadium. Wie kommt es dazu?
Säure-Basen-Gleichgewicht
Das Blut hat normalerweise einen stabilen pH-Wert zwischen 7,35 und 7,45. Das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen ist entscheidend für das Funktionieren vieler lebenswichtiger Prozesse im Körper – etwa den Transport von Sauerstoff und Nährstoffen oder die Aktivität von Enzymen.
Beim Stoffwechsel entstehen permanent Säuren als Abfallprodukte. Damit der pH-Wert im Normalbereich bleibt, müssen diese ausgeschieden werden. Gesunde Nieren unterstützen den Ausgleich, indem sie überschüssige Säuren entsorgen und Bicarbonat bereitstellen. Bicarbonat ist eine Base, die hilft, den Säureüberschuss zu neutralisieren.
Chronische Nierenerkrankung (CKD)
Bei einer chronischen Nierenerkrankung bzw. Niereninsuffizienz (kurz: CKD) ist die Funktion der Nieren eingeschränkt: Die Produktion von Bikarbonat nimmt ab – Säuren werden nicht mehr ausreichend ausgeschieden.
CKD zählt zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in Deutschland. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch eine dauerhafte, langsam voranschreitende Beeinträchtigung der Nieren. Die beiden wesentlichen Ursachen sind Bluthochdruck und Diabetes.
Übersäuerung des Blutes
Wenn die Produktion von Bikarbonat durch die verminderte Leistungsfähigkeit der Nieren sinkt und überschüssige Säuren nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden, entsteht im Blut ein Ungleichgewicht: Der Anteil von Säuren steigt, während der von neutralisierenden Basen abnimmt. Der pH-Wert fällt unter 7,35 – das Blut übersäuert. Diese Übersäuerung wird als metabolische Azidose bezeichnet.
Gesunde Nieren regeln das Gleichgewicht zwischen Basen (blau) und Säuren (rot) im Blut.
Bei einer metabolischen Azidose nimmt der Anteil an Basen – insbesondere von Bikarbonat – ab. Es entsteht ein Säureüberschuss.
Folgen einer metabolischen Azidose
Eine metabolische Azidose bleibt oft lange unbemerkt – genau das macht sie gefährlich. Die Übersäuerung des Blutes betrifft viele Körperfunktionen, die für das tägliche Leben entscheidend sind. Wird sie nicht rechtzeitig behandelt, kann es langfristig zu weiteren gesundheitlichen Komplikationen kommen:
- Nieren: Die anhaltende Säurebelastung führt zu einer verminderten Nierenfunktion, wodurch der Säuregehalt weiter ansteigt. Dieser Kreislauf kann sich ohne angemessene Behandlung fortsetzen und den Verlauf des Nierenleidens beschleunigen.
- Herz: Die Übersäuerung des Blutes kann das Herz-Kreislauf-System zusätzlich belasten und eine bestehende Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen ungünstig beeinflussen. Bei fortgeschrittener Nierenerkrankung können zudem die Kaliumwerte im Blut ansteigen, was das Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen weiter erhöht.
- Knochen: Eine länger bestehende metabolische Azidose kann den Knochen Mineralstoffe entziehen und sie auf Dauer schwächen. Dadurch steigt das Risiko für Knochenschwund (Osteoporose) und Knochenbrüche, insbesondere an Hüfte und Wirbelsäule.
- Muskeln: Der erhöhte Säuregehalt begünstigt Muskelschwäche und Muskelschwund. Da Kraft und Leistungsfähigkeit im Alltag eingeschränkt sind, haben insbesondere ältere Menschen ein erhöhtes Sturzrisiko.
- Stoffwechsel: Die metabolische Azidose kann den Zuckerstoffwechsel stören. Sie wird mit einer verminderten Wirkung des körpereigenen Insulins (Insulinresistenz) in Verbindung gebracht, sodass der Blutzucker schwerer zu regulieren ist und sich das Risiko für einen Typ-2-Diabetes erhöhen kann.
Symptome einer metabolischen Azidose erkennen
Wenn das Blut übersäuert, zeigt der Körper verschiedene Reaktionen, die das Wohlehrgehen zum Teil spürbar beeinträchtigen können. Meist treten sie nicht gleichzeitig auf und entwickeln sich schleichend:
Atmung
Der Körper versucht, überschüssige Säuren über die Lunge abzugeben. Das zeigt sich durch eine tiefere und schnellere Atmung. In schweren Fällen kann es zu Hyperventilation kommen.
Magen-Darm-Trakt
Zu den mögliche Symptomen zählen Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Bauchschmerzen – teilweise mit Durchfall.
Muskulatur
Es können Muskelermüdung und ausgeprägte Muskelschwäche auftreten – besonders bei Belastung. Zudem sind schmerzhafte Krämpfe möglich.
Allgemeine Beschwerden
Ungewöhnliche Müdigkeit, Schwäche, Konzentrationsprobleme oder Verwirrtheit sind typisch bei metabolischer Azidose. Im Verlauf kann es zu Schläfrigkeit bis hin zu Bewusstseinsstörungen kommen.
Diagnose: Welche Laborwerte sind wichtig?
Die Symptome einer metabolischen Azidose sind oft unspezifisch. Um den Zustand des Säure-Basen-Haushalts im Blut zu beurteilen, werden deshalb ph-Wert und Bikarbonat-Konzentration gemessen. Das übliche Verfahren hierfür ist die Blutgasanalyse (kurz: BGA).
Eine metabolische Azidose liegt vor, wenn
- der ph-Wert unter 7,35 liegt
- und die Bikarbonat-Konzentration zu niedrig ist
(typischerweise unter 22 mmol/l).
Die Blutgasanalyse ist eine schnelle Methode, die Ergebnisse innerhalb weniger Minuten nach der Blutentnahme liefert – insbesondere, wenn sie patientennah durchgeführt wird. Die Ärztin/der Arzt kann sofort eine Diagnose stellen und eine fundierte Entscheidung über die Behandlung treffen.