Behandlung der metabolischen Azidose
Allgemeine Maßnahmen
Im Mittelpunkt der Therapie einer metabolischen Azidose steht immer die Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen. Liegt bei der Patientin/dem Patient eine chronischen Nierenerkrankung vor, kommen dabei vor allem folgende Maßnahmen in Betracht:
- Senkung des Blutdrucks (bei Bluthochdruck)
- Regulierung des Blutzuckerspiegels (bei Diabetes)
- Verzicht auf Medikamente, die die Nieren belasten
- In fortgeschrittenem Stadium: Nierenersatztherapie (Dialyse)
Außerdem kann eine ausgewogene Ernährung mit weniger säurebildenden Lebensmitteln den Säure-Basen-Haushalt positiv beeinflussen. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr – im Rahmen ärztlicher Empfehlungen – hilft den Nieren dabei, Stoffwechselprodukte auszuscheiden.
Medikamente mit Bicarbonat
Häufig werden Patientinnen und Patienten mit chronischer Nierenerkrankung im Falle einer metabolischen Azidose zusätzlich magensaftresistente Tabletten mit Natriumhydrogencarbonat (z.B. Anatrofer®) verordnet. Der Wirkstoff stellt Bikarbonat (HCO₃⁻) als Puffer bereit, der überschüssige Säuren neutralisieren und die Korrektur der Übersäuerung unterstützen kann.
Ziel der Bikarbonat-Therapie
Bei einer metabolischen Azidose ist der Bikarbonat-Spiegel im Blut erniedrigt. Mit der Gabe von Natriumhydrogencarbonat soll die Bikarbonat-Konzentration in den Normalbereich gebracht und stabil gehalten werden. Typischerweise liegt der Normalbereich bei etwa 22–26 mmol/l.
Dosierung und Kontrollen
Die Ärztin bzw. der Arzt passt die Dosis im Verlauf individuell und schrittweise an, um die Bikarbonat-Konzentration dauerhaft im Zielbereich zu halten. Bei Erwachsenen beträgt die Anfangsdosis in der Regel 2 – 3 Gramm Natriumhydrogencarbonat täglich. Die Dosis kann während der Bikarbonat-Therapie auf bis zu 8 Gramm täglich steigen – in einzelnen Fällen sind sogar höhere Dosen erforderlich. Um sicherzustellen, dass der Bikarbonat-Spiegel im gewünschten Bereich bleibt, finden regelmäßige Kontrollen der Blutwerte statt.
Warum magensaftresistente Tabletten?
Dank ihrer magensaftresistenten Beschichtung gelangen die Bikarbonat-Tabletten unversehrt durch den Magen und lösen sich erst im Dünndarm auf. Das erleichtert die Aufnahme des Wirkstoffs. Zudem sinkt die Wahrscheinlichkeit für unangenehme Magenbeschwerden wie Völlegefühl, Aufstoßen oder Blähungen, da der Tablettenüberzug eine Freisetzung im Magen mit Gasbildung (CO₂) weitgehend verhindert. Magensaftresistente Tabletten sind daher besonders gut für die langfristige Behandlung der metabolischen Azidose geeignet.
Nutzen der Bicarbonat-Behandlung
Unbehandelt kann eine metabolische Azidose den Körper belasten, indem sie unter anderem Muskelabbau, Störungen des Knochenstoffwechsels und eine schnellere Verschlechterung der Nierenfunktion begünstigt.
Die langfristige Einnahme von Natriumhydrogencarbonat zielt darauf ab, die anhaltende Übersäuerung des Blutes auszugleichen. In klinischen Studien mit oraler Bicarbonat-Therapie bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz ging eine gut eingestellte metabolische Azidose mit einem günstigeren Verlauf der Nierenfunktion und einer Verbesserung des Ernährungs- und Muskelstatus einher. Es wurde außerdem beobachtet, dass der Beginn einer Dialysepflicht später eintrat [1–2]. Wie stark diese Effekte im Einzelfall sind, lässt sich jedoch nicht vorhersagen und hängt von vielen individuellen Faktoren ab.
Ob und in welcher Form eine Behandlung mit Natriumhydrogencarbonat bei Betroffenen geeignet ist, entscheidet die Ärztin/der Arzt.
Literatur:
[1] de Brito-Ashurst I. et al., JASN 2009;20:2075–2084.
[2] Mahajan A. et al., Kidney Int 2010;78:303–309.
Anatrofer® 1000 mg magensaftresistente Tabletten
Eine Behandlungsoption für die metabolische Azidose ist Anatrofer®. Die magensaftresistenten Tabletten enthalten je 1000 mg Natriumhydrogencarbonat und sind zur Behandlung der metabolischen Azidose bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 14 Jahren mit chronischer Nierenerkrankung zugelassen.